Dienstag, 11. November 2008

Obama, der Messagist

Obama. Eine Message. Ein Messias. Ein Messagist!
Viel Botschaft, wenig Inhalt.

Wer kann mir denn mal genau erklären wofür dieser Mann steht? Ich glaube, das können nur wenige, wenn es überhaupt jemand kann. Irgendwie will er sich um eine bessere Krankenversicherung kümmern. Und irgendwie will er die Truppen aus dem Irak holen. Wenn es geht. Soviel habe ich mitbekommen. Aber eigentlich beruht doch die ganze Euphorie auf dem Gedanken: Hauptsache, Bush ist weg. Hauptsache, kein Republikaner mehr im Amt. Es kann nur besser werden.

Er ist ein Medien- und Kommunikationsprofi. Optimaler Internetwahlkampf. Der mediale Dauerjubel dröhnt noch immer in meinem Ohr. Oder ist das nur mein Tinitus? Egal. Obama ist Präsident. Das ist historisch, ja historisch. Da sind sich alle einig. Jubel. Tränen. Jubel. Tränen. Alle Kanäle. Könnt ihr noch? Yes, we can! Na dann, noch ein heute journal spezial oder tagesthemen extra. Jetzt live aus Washington, unsere Reporterin vor Ort: Hanni Hüsch. Was für ein Albtraum. Aber ich träume nicht.

Wem die ganze Obamania langsam auch auf die Nerven geht, der findet hier Abhilfe.

Die Skepsis gegenüber Obama war in der Blogosphäre wesentlich verbreiteter als in den Mainstream-Medien. Kritik kam vor allem nach seiner Rede vor der AIPAC auf, die er hielt, als er als Präsidentschaftskandidat feststand.Uri Avnery Telepolis im Juni 2008

Diese Skepsis hat jetzt noch einmal zugenommen, nachdem Obama sein Transition Team vorgestellt hat. Folgende Artikel befassen sich kritisch mit dem Wahlsieger:

  • Kein Wandel im Bezug auf die israelische Manipulation der US-Außenpolitik unter Obama infowar
  • Obama hat seine Basis von Anfang an verraten Schall und Rauch
  • Das Transition Team von Barack Obama mein-parteibuch
Manche sehen in ihm sogar eine größere Gefahr für den Weltfrieden als in McCain:

Sogar die Financial Times in Gestalt von W. Buiter stimmt kritische Töne an, was die wirtschaftliche Kompetenz des Teams angeht: Zu alt. Zu viele nutzlose Juristen. Bis auf Paul Volcker kein wirtschaftlicher Sachverstand.
  • No change, no hope: Obama’s Transition Economic Advisory Board FT

Eigentlich kommt die erste Abrechnung ja erst nach 100 Tagen im Amt, und noch hat Obama noch nicht einmal seinen Amtseid geleistet. Ich bin mir nur nicht so sicher, ob er so viel Zeit hat. Ich kann die Euphorie jedenfalls nicht so ganz teilen. Möge er mich mit Taten überzeugen.


Nachtrag:

In der Reihe der Skeptiker habe ich ja glatt einer meiner Lieblingsblogs übersehen:

"Change I can´t quite believe in" von Londonbanker

Auszug:
The much bandied idea that Robert Gates, former deputy director of the CIA under President G.H.W. Bush, architect and financier of Saddam’s military machine and Bin Laden’s Al Qaida, might be kept as Secretary of Defense under Obama “for continuity’s sake” after six years of failed and callous military adventurism in Iraq and Afghanistan, with occasional illegal forays into Pakistan, Georgia, Syria and Iran, makes me frankly nauseous. If America is ever to restore its fiscal balance, cuts in the bloated military/security/intelligence apparatus will have to be implemented. A career insider central to the creation and export of the bloat is the wrong man for the job.

4 Kommentare:

Rudolf hat gesagt…

Ich versuche mal eine kleine Erklärung: Obama steht - abseits der Inhalte, die sind bei McCain genauso vage wie bei allen US-Präsidenten - für die Nutzung von neuen Medien zur Schaffung einer Art von Kampagne, die auch junge Menschen wieder von Politik begeistert. Für modernen Wahlkampf. Für direkte Nähe zum Wähler. Wenn Du es ausführlicher haben willst, dann lies mal dieses Buch hier: http://prodialog.org/content/publikationen/buecher/obama

Kuchenjunkie hat gesagt…

Danke für den Hinweis, rudolf.

Und wir sind anscheinend der gleichen Ansicht: Die Wahlaussagen von Obama sind genau so vage, wie die Versprechen von anderen Politikern im Wahlkampf. Heißen sie nun McCain, Merkel, Steinmeier...

Und ich stimme Dir zu, dass es Obama als erster perfekt verstanden hat, eine Internet-kampagne zu führen.

Die amerikanischen Wahlkämpfer sind Meister der Inszenierung und Verpackung. Aber ich bin halt gespannt darauf, was im Paket drin ist. Denn wir kenne ja alle die Probleme mit (Mogel-)Verpackungen: Eventuell zu geringe Füllhöhe oder gar Etikettenschwindel.

Oder wer kennt nicht die Enttäuschung, wenn das Geburtstag- oder Weihnachtsgeschenk die Erwartungen nicht trifft.

Solange das Paket nicht ausgepackt wurde, bleibe ich skeptisch. Denn wenn man mal in das Paket hineinspinkst, weil man nicht bis Weihnachten warten will, dann wird man eher enttäuscht (wie man den Links in meinem Beitrag entnehmen kann).

Und man muss sich sogar länger gedulden, denn Weihnachten ist diesmal erst am 20.01.09 oder später.

Aber vielleicht lohnt sich das Warten ja auch? Wer weiß das schon genau...?

Roberto J. De Lapuente hat gesagt…

Es bleibt noch sehr viel zu tun, damit aus Obamas Worthülsen eine greifbare Verbesserung der Lebensumstände erzielt wird.

Kuchenjunkie hat gesagt…

@ #3 roberto:

Da kann ich Dir nur zustimmen.

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