Montag, 22. September 2008

Historisch: Am 22.09.2008 werden die USSA gegründet

Geschichte kommt irgendwie immer unpassend.

700 Mrd Dollar hat Paulson den Märkten versprochen, um die Panik zu mildern. Das ist ohne Zweifel eine "organisierte Unterstützung" und macht den Unterschied zu 1929 aus. Denn damals hieß es bereits an dieser Stelle "game over", da die erhoffte "organisierte Unterstützung" ausblieb. Ob es diesmal besser wird, ist mehr als zweifelhaft. Aber wie heißt es doch: Geschichte sollte sich nicht wiederholen, aber manchmal reimt sie sich (nach Mark Twain).

Darüber hinaus schafft die US-Regierung die freien (Aktien-) Märkte und den Kapitalismus in der bisherigen Form ab. Das short-selling wird veboten. Als ob das der Auslöser der Krise war. Im Moment kann niemand nachvollziehen, wer warum gerettet wird bzw. wer nicht. Das geplante Rettungsprogramm ist die reine Willkür. Welche faulen Kredite von wem zu welchen Preis aufgekauft werden, steht im Belieben von Finanzminister Paulson. Der Steuerzahler darf blechen. Und das Bedrohlichste ist: Die US-Regierung stellt sich über das Gesetz und entzieht sich einer richterlichen Kontrolle. Das läßt nichts Gutes erwarten:

Dieses Spiel ist vollkommen manipuliert!

Ich bin momentan etwas in Zeitnot, doch will ich zumindest mal die Links zur Verfügung stellen, die ich in den letzten Tagen gesammelt habe. Zumindest den kurzen Beitrag von Londonbanker sollte man gelesen haben (letzter Link).


Kritik zum bail out von naked capitalism

----------------------------------------

Zahl der Obdachlosen steigt. Zeltstädte in den USA. Telegraph

----------------------------------------

Düstere Aussichten von Karl Denninger:
Beginning of the end
Welcome to the USSA

----------------------------------------

Willem Buiter analysiert das TAD-Programm von Paulson und warnt vor moral hazard:
A TAD (Toxic Asset Dump) for the USSA in der FT

----------------------------------------

In der NYT wird beschrieben, mit welch eindrucksvollen Worten den Abgeordneten der Plan von Paulson schmackhaft gemacht wird:

we’re literally maybe days away from a complete meltdown of our financial system, with all the implications here at home and globally.” NYT
----------------------------------------

Und immer lesenswert ein Artikel von Nouriel Roubini, der auch Opfer der sich überschlagenden Ereingnisse geworden ist. Denn zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war der Paulson-Plan bereits in der Welt, aber der Artikel geht nicht darauf ein. Er sieht den zunehmend Druck auf die beiden verbliebenen Investmentbanken voraus, bevor diese kurz darauf ihr Geschäftsmodell aufgeben und zur normalen Geschäftsbank mutieren. Weiterhin sieht er einen Run auf die Hedgefundsbranche zukommen. The shadow banking system is unravelling

----------------------------------------

Ja und die FAZ hat auch auf einmal entdeckt, dass dieser ganze Wirtschaftsliberalismus ja so gar nicht ihr Ding ist. Hoffentlich entdeckt die FAZ auch möglichst schnell wieder ihren Sinn für die Verfassung und für Bügerrechte und verschont mich von weiterem Stumpfsinn über Gefahren für die innere Sicherheit. Aber wahrscheinlich muss auch in diesem Bereich erstmal eine Kernschmelze eintreten, bevor man dort schlauer wird. Es ist vielleicht ein bisschen viel verlangt, wenn man mehr Recherche verlangt, als Pressemitteilungen der Regierung umzuformulieren.

Alle Kassen im Schrank von Nils Minkmar

Das Zeitalter des Unglücks von Frank Schirrmacher

----------------------------------------

In unsicheren Zeiten kann man Sachverstand gepaart mit Lebenserfahrung nicht hoch genug einschätzen. Davon hat Londonbanker meiner bescheidenen Meinung nach jede Menge. Daher meine Empfehlung: Non-reviewable

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen